Kontinuierliche Ausbildungsgruppe

 

Ausbildungs- & Supervisionsgruppe
Gestalttherapie & Zen Buddhismus

Die nächsten Termine der Ausbildungsgruppe sind

– Freitag 19 Juni bis Sonntag 21 JUni 2015

und

 – Freitag 23 Oktober bis Sonntag 25 Oktober 2015

„Quereinstieg“ nach Rücksprache jederzeit möglich

Gestalttherapie und buddhistische Grundhaltung:
l. Ich gehe eine Straße entlang. Da ist ein tie¬fes Loch im Gehsteig. Ich falle hinein, Ich bin verloren. Ich bin ohne jede Hoffnung. Es ist nicht meine Schuld. Ich bin wütend auf das Leben, das Schicksal, die Welt, die soooo gemein und unfair zu mir sind. Es dauert endlos, wieder heraus zu kommen.
2. Ich gehe dieselbe Straße entlang. Da ist ein tiefes Loch im Gehsteig. Ich tue so, als sä¬he ich es nicht. Ich falle wieder hinein. Ich kann nicht glauben, schon wieder am gleichen Ort zu sein. Aber es ist nicht meine Schuld. Das Leben ist ungerecht mit mir. Immer noch dauert es sehr lange he-raus¬zukommen.
3. Ich gehe dieselbe Straße entlang. Da ist ein tiefes Loch im Gehsteig. Ich weiß davon … ich sehe es. Ich falle immer noch hinein … aus Gewohnheit. Meine Augen sind offen. Ich weiß, wo ich bin. Manchmal fühlt sich das Leben ungerecht an. Es ist meine Schuld. Ich komme sofort heraus.
4. Ich gehe dieselbe Straße. Da ist ein tiefes Loch; Ich gehe darum herum.
5. Ich gehe eine andere Straße.
6. Ich gehe eine andere Straße und versuche dazu beizutra¬gen, dass andere nicht in das Loch im Gehsteig fallen

Die vier Grundpfeiler unseres Ausbildungsangebotes

1. Wissen
Wissen ist immer ein erster Schritt . Wissen, was ich weiß, aber auch wissen, was ich nicht weiß.
2. Verstehen
Wissen ist nur dann sinnvoll und weiterbringend, wenn es verstanden, innerlich erfasst und mit dem Eigenen durchdrungen ist.
3. Erfahrung
Wissen und Verstehen müssen in alltäglich Erfahrung umgesetzt und erlebt werden, sonst bleiben Wissen und Verstehen von mir getrennt.
4. Mitgefühl und Achtsamkeit
Aus gelebtem Wissen, innerem, erfassendem Verstehen und nicht wertendem Erfahren kön¬nen dann Achtsamkeit und Mitgefühl für meine Mitwelt und für mich selber entstehen.

Wie wir unserem Leben Gestalt geben
Ein Leben ohne Ängste, ohne Verzweiflung, ohne Trauer, ohne Schmerz, kurz, ohne Prob¬leme gibt es nicht. Die Fragestellung ist daher nicht, wie ich alle Probleme, alles Unliebsame fortan aus mei-nem Leben verbannen kann; schon allein diese Frage ist eine Form des Grö¬ßenwahnsinns. Die Frage lautet vielmehr, wie ich erreichen kann, dass all diese Dinge le¬bensbegleitend und nicht le-bensbestimmend werden.
Schmerz ist Schmerz und lässt sich nicht vermeiden, aber wenn wir uns an Schmerzen fes¬thalten, wird aus Schmerz Leiden. Wir selber können entscheiden, ob wir „nur“ der Adressat oder auch der Empfänger von Schwierigkeiten sind.

Vier Schwerpunkte versuche ich daher immer wieder in meine Arbeit einzubrin-gen:
1. Mach‘ es so einfach wie möglich. „Wo ist das Problem?“
2. Ich suche in erster Linie nicht nach Antworten, sondern nach Unterstützung darin, mit Fra-gen Leben zu lernen. Fragen ohne vorschnelle (Pseudo-) Antworten auszuhalten. Wenn der Satz „Der Weg ist das Ziel“ stimmt, dann ist auch der Satz „die (ehrliche) Frage ist bereits die Antwort“ rich¬tig!
3. Mich interessiert wer Du bist, hier und jetzt . Nicht wer Du sein willst …. Je mehr ich mich an¬nehme so wie ich in jedem Augenblick bin, desto eher kann ich der werden, der ich sein möchte …oder anders ausgedrückt: warum bin ich nicht derjenige, der ich sein möchte vs. warum möchte ich nicht derjenige sein, der ich bin?
4. Ich kann meinem Leben nur einen Sinn geben, wenn ich jedem einzelnen Augenblick einen Sinn gebe. Oder, wie es der Zenbuddhismus ausdrückt: „Keine Schneeflocke fällt auf einen falschen Platz“.

Therapeutische Kompetenz
Untersuchungen zur vergleichenden Therapieforschung zeigen immer wieder, dass, unabhängig von der jeweiligen Therapierichtung, die Beziehung zwischen Klient und Therapeut die wichtigste Variable für das Gelingen des therapeutischen Prozesses ist. Daher steht bei uns die Persönlich-keitsbildung des Therapeuten im Mittelpunkt. Es geht nicht darum „Techniken“ zu lernen, sondern eine (Grund-) Haltung, eine Grundhalt mir selber und meinen Mitmenschen gegenüber.
Persönlichkeit des Therapeuten:
Autorität: Ein Therapeut sollte eine Form der Sicherheit ausstrahlen, die es dem Klienten möglich macht, die Interventionen anzunehmen. „Fehler“ kann man auch mit Sicherheit machen!
Kinder spielen auf dem Spielplatz … ein Kind ruft nach einiger Zeit „Ich habe keine Lust mehr auf Sandkasten … lass und Fußball spielen ..!“ – Nichts geschieht …
Kinder spielen auf dem Spielplatz … ein Kind ruft nach einiger Zeit „Ich habe keine Lust mehr auf Sandkasten … lass und Fußball spielen ..!“ Alle rufen „Ja schön … auf geht’s …“
Die Eigenschaft des zweiten Kindes ist hier gemeint. Authentische Selbstsicherheit – Autorität, die „da ist“ und wirkt. Und darum nicht bewiesen werden muss.

Wissen: Gestalttherapie galt lange als theoriefeindlich. Das Perls’sche Totschlagargument des „mindfuckings“ hat der Gestalttherapie zwar Bekanntheit beschert, ihr aber keine guten Dienste erwiesen. Wer therapeutisch arbeitet, sollte ein „model of man“ haben, welches es ihm ermög-licht, zu jeder Zeit über den therapeutischen Prozess Rechenschaft abzulegen: Warum und mit welchem Ziel habe ich an dieser Stelle so und nicht anders interveniert? Therapie „aus dem Bauchgefühl“ heraus verträgt sich nicht mit unserem Verständnis von Gestalttherapie.
Kreativität: Gestalttherapie ist keine Methode, sondern eine dialogische Seinsform, die sich in je-dem therapeutischen Kontakt neu entwickelt Sinnvolle therapeutische Interventionen, die immer wieder neu die Alltagsdualität des Klienten überwinden sollen, erfordern ein hohes Maß an situa-tiver Kreativität.
Erfahrung: Erfahrung kann man nicht vermitteln; jeder muss sie selber durchleben. Die Betonung der Erfahrung meint hier aber auch das ständige Offensein für neue Erfahrung; jede therapeuti-sche Sitzung ist immer eine Premiere. Mit Erfahrung ist aber nicht nur die therapeutische Erfah-rung gemeint, sondern auch die Erfahrung in der Schule des Lebens. „Vier mal gefallen – fünf mal wieder aufgestanden“ heißt es im Zen Buddhismus. Das, was vermeintlich das „Problem“ ist, ist in der Regel die „Lösung“ bzw. der Versuch einer als bedrohlich empfundenen Situation, einem be-drohlichen Thema etc. zu „entkommen“: „… das ist, wie ich überlebt habe….“ – diese Erkenntnis gehört hier hin.
Belastbarkeit: Ambiguitätstoleranz – Wer als Therapeut auf „den Beifall“ des Klienten oder der Gruppe angewiesen ist, sollte (noch) nicht als Therapeut arbeiten!
Die Gefahr von emotionalem Missbrauch, Machtmissbrauch oder gar sexueller Missbrauch sind umso größer, je größer der Therapeut psychohygienisch von der Wertschätzung des Klienten ab-hängig ist. „Feldabhängigkeit vs. Autonomie“

Lebendigkeit und Präsenz: Ein guter Therapeut sollte „attraktiv“ für den Klienten sein; d.h. der Klient sollte das Gefühl haben, dass es lohnenswert ist, sich auf die – therapeutische- Beziehung zu diesem Therapeuten einzulassen.
Achtsamkeit: Das Thema „Achtsamkeit“ ist aus dem buddhistischen Gedankengut inzwischen zum Allgemeingut geworden. In modellhaft gelebter Achtsamkeit sehen wir eine zentrale Kompetenz im therapeutischen Handeln und der therapeutischen Persönlichkeit in unserer gestalttherapeuti-schen Ausrichtung. Aus gelebter Achtsamkeit kann eine Grundhaltung der „Dignity“ entstehen – dieses Wort lässt sich nur schwer übersetzen; gemeint ist in etwa „Würde“, „Bescheidenheit“
Spirituelle Verankerung: Die Art der Gestalttherapie, wie wir sie vermitteln wollen, beinhaltet eine spirituelle Verankerung, die praktiziert wird. Dabei ist für uns die Ausrichtung dieser Spiritualität zweitrangig, wir selber orientieren uns an der Praxis, der Philosophie und dem Menschenbild des (Zen-) Buddhismus.
Hierhin gehört auch die Auseinandersetzung mit den Fragen „Warum bin ich Gestalttherapeut?“ und „Warum bin ich praktizierender Christ / praktizierender Buddhist / praktizierender Muslim etc.?“

Was kennzeichnet vor diesem Hintergrund eine „gute therapeutische Arbeit / Sitzung“ aus?
• Erkenne das Thema – Was ist der Grundkonflikt? Das Grundthema? Welcher Logik folgt das Verhalten?
• Leite durch Folgen (dem dialogischen) Prozess – Leite, in dem du deinem Klient in einem dia¬logischen Prozess folgst.
• Achte auf Deine Grenzen und auf die des Klienten. ( „ein Thema und ein Schritt pro Arbeit rei¬chen“ Sich mit der Lebenswelt des Klienten verbinden – nicht in eine Symbiose gehen – sich wieder „entbinden“ können – Kontakt ist genauso sehr ein Bestandteil des therapeuti-schen Dialoges, wie die notwendige professionelle Abgrenzung. Nicht der Therapeut, son-dern der Klient „macht“ die Therapie.
• Lebendigkeit
• Permanente Selbstwahrnehmung: Das, was in mir während einer Sitzung geschieht, wie ich mich jeweils fühle, all das kann mir wichtige Hinweise bezogen auf die therapeutische Si-tuation geben.
• Entwickle (innerlich und nur für Dich) Vorstellungen über „den nächsten“ Schritt.

Die Ausbildung gliedert sich in drei Stufen:
In der ersten Stufe liegt der Schwerpunkt in der Selbsterfahrung; In der Gruppe wird vom Thera-peuten mit den Ausbildungskandidaten „gearbeitet“. Hinzu kommen immer wieder Vorträge zu bestimmten Schwerpunktthemen aus den Bereichen Gestalttherapie und Zen Buddhismus.
Die Einzelarbeiten und die Vorträge werden durch die Teilnehmer protokolliert und – in anonymi-sierter Form – allen Gruppenteilnehmern zugänglich gemacht. Nach jeder Arbeit können Inhalte und Vorgehen der Arbeit ausführlich diskutiert werden – wenn dies nicht denjenigen, der gerade „gearbeitet“ hat belastet.
In der zweiten Stufe arbeiten die Gruppenmitglieder untereinander; d.h. sie stellen sich als „Klient“ bzw. als „Therapeut“ zur Verfügung. Diese Arbeiten geschehen unter Supervision und können bei Bedarf bzw. therapeutischer Notwendigkeit vom Therapeuten übernommen werden.
Die einzelnen Arbeiten werden unter den Aspekten besprochen; „warum“ und „warum an dieser Stelle“ und „mit welcher Intention“ erfolgte diese oder jene Intervention.
Wie ist diese Arbeit unter den oben beschriebenen Aspekten zu bewerten?
In dieser Phase werden kleinere Vorträge durch die Gruppenmitglieder gehalten.
In der dritten Stufe werden – supervisorisch – Arbeiten der Ausbildungskandidaten besprochen. Es wird davon ausgegangen, dass die Ausbildungskandidaten „außerhalb“ therapeutisch arbeiten und diese Arbeit in der Ausbildungsgruppe supervidieren lassen.
Die letzte Phase schließt mit einer schriftlichen Arbeit, in der der Ausbildungskandidat über seine therapeutische Arbeit unter dem Aspekt praktischer Umsetzung theoretischer Konzepte aus der Gestalttherapie und dem Zen Buddhismus darlegt. Diese Arbeit wird in der Ausbildungsgruppe besprochen.
Die Ausbildungsphasen sind nicht an bestimmte Zeiten gebunden, sondern definieren sich durch den Wachstumsprozess der Ausbildungskandidaten; in der Regel dauert eine Phase mindestens ein Jahr. Über das Weiterkommen in die nächste Ausbildungsphase entscheidet der Therapeut.
Jeder therapeutisch Arbeitende wird im Laufe seiner praktischen Arbeit seinen eigenen Stil, seine eigenen Schwerpunkte entwickeln. Dies ist in der Regel ein auf theoretischer Ebene eklektischer- und auf praktischer Ebene ein synoptischer Prozess. Im Rahmen der Ausbildung sollen daher auch über andere Therapieverfahren grundlegende Kenntnisse vermittelt werden.
Kenntnisse in Psychopathologie sowie der Neurosenlehre sind ein weiterer Schwerpunkt, mit dem sich die Ausbildungskandidaten auseinandersetzen müssen.

Die Ausbildung besteht aus:
• Jeweils drei Workshops (Freitagabend bis Sonntagnachmittag) pro Ausbildungsphase – die Teilnahme an den Frühjahrs- und Herbstworkshops von B.J. Schleeger wird dringend empfohlen.
• Einem Fünftageworkshop zum Ende der letzten Ausbildungsphase
• Ca. 40 Stunden Lehrtherapie (Gestalttherapie) nach Absprache mit dem Therapeuten kön-nen ggf. bereits gemachte (Gestalt-) Therapien anerkannt werden.
• Eine schriftliche Abschlussarbeit
• (Mindestens) eine Teilnahme an einem Sesshin – (oder vergleichbarer Veranstaltung ande¬rer Richtungen) Unserer Überzeugung nach ist eine – wie auch immer geartete – spirituelle / religiöse Verankerung des Therapeuten wichtig, damit die (Gestalt-) Therapie nicht zur bloßen Technik oder Methode wird
• Eine Teilnahme An einem Sensitivity Training nach den Richtlinien der DGDO wird dringend empfohlen.
Die beiden letzten Veranstaltungen können die Ausbildungskandidaten eigener Regie terminieren.
Teilnahme / Abschluss
Es sind unterschiedliche Möglichkeiten der Teilnahme – und daraus resultierend – des Abschlusses – vorge¬sehen:
Nach erfolgreichem Abschluss der vollständigen Ausbildung mit allen Bestandteilen gibt es einen entspre¬chenden formellen, qualifizierten Abschluss.
Darüber hinaus gibt es die Möglichkeiten der zeitlich begrenzten (Gast-) Teilnahme (mind. aber ein Ausbil¬dungsjahr) ohne Teilnahme ohne Lehrtherapie, ohne Sensitivity Training, ohne Sesshin oder vergleichbare Veranstaltung … dies wir durch eine auf die individuell erbrachte Teilnahme abgestimmtes Zertifikat bestä¬tigt.
Alle Teilnehmer verpflichten für jeweils ein Ausbildungsjahr. „Quereinstiege“ sind – nach Absprache mit dem Therapeuten – möglich.
Kosten der Ausbildungs- Supervisionsgruppe
Alle Workshops werden auf Dana Basis (für die Workshops) abgehalten – die Kosten für Unterkunft und Verpflegung variieren je nach Unterbringungs- und Verpflegungsstandart, erfahrungsgemäß sind es ca. 90, – € pro Wochenende.
Die Kosten für die Lehrtherapie müssen mit dem jeweiligen Gestalttherapeuten abgesprochen werden.